Mein Apple Abschied beginnt (wieder) ...
Mein Apple-Anfang 1984
On-Off-Beziehung ist eine sehr treffende Beschreibung meiner Beziehung zu Apple. Mein Jahrgang war der erste, der in der Oberstufe einen Informatikkurs belegen konnte. Der Grundkurs Informatik startete im Sommer 1984 auf zehn Apple-IIe-Systemen. Programmiert wurde mit UCSD Pascal. Fast zeitgleich kam Anfang 1984 der erste Mac auf den Markt. Das Gerät faszinierte mich sehr. Oft verbrachte ich viel freie Zeit in Geschäften, in denen man einen Mac ausprobieren konnte. Preislich spielte der Mac in einer Traum-Liga.

Ohne viel Mühe hatte man schnell mehr als zehntausend Mark auf der Rechnung. Bei vielen Händlern gab es Rabatte auf die Listenpreise, aber der Mac-Preis war weiterhin astronomisch. Daher bekam ich 1985 nur einen Apple //e. Aus Nostalgiegründen ist dieser immer noch vorhanden und steht, verstaut in zwei Kisten, im Keller. Vor einigen Jahren war er noch funktionstüchtig. Es folgten Amiga und PCs. 1989 leihweise für ein halbes Jahr einen aktuellen Mac für die DTP-Nutzung. Ansonsten viel Windows und Linux 08/15 Hardware und OS.
Lange Pause, Newton und Hackintosh
Dann über Jahre erneut kein Bezug zu Apple, um 1998 herum eine kurze, intensive Zeit mit einem Newton (liegt auch noch im Keller). Damals Visionär, aber leider noch zu unreif und zu früh auf den Markt gebracht. Nächster Apple-Kontakt via Hackintosh auf einem IBM X61t Notebook, später abgelöst durch ein 15" HP-Hackintosh-Notebook.
iMac, iPhone & iPad
Im Winter 2009 wechselte ich als primäres Arbeitsgerät auf ein iMac 27". Windows dann für lange Zeit nur auf Notebooks.
Seit Herbst 2008 sind unterschiedliche iPhone-Modelle mein primäres Mobiltelefon. Ab 2010 gesellte sich das iPad dazu. Viele der meistgenutzten Anwendungen verlagerten sich vom iPhone auf das iPad. Das iPad schien mir die perfekte Kombination aus Mobiltelefon und Notebook zu sein.
Seit Frühjahr 2025 ist ein Macbook Air M4 vorhanden (hat ein Macbook Air M1 abgelöst, das aber fast nur als Unterwegs-Notebook im Einsatz war). Mit dem M4 Macbook wurden die iPads (iPad Pro 12.9 + Standard iPad aus 2022) fast obsolet. Zusammen mit dem iPhone 15 Pro Max ist das Macbook Air gefühlt ausreichend. Gedanklich erkläre ich mir diese massive Nutzungsveränderung mit dem Aufkommen der AI-Nutzung, bei der gefühlt die Limitationen des iPad für mich überwogen.
Vorgespult zu 2026
Aktuell sind immer noch das iPhone 15 Pro Max, eine Apple Watch 10 und das Macbook Air M4 im Einsatz. In der Vergangenheit habe ich die iPhones alle drei Jahre erneuert. Die Watch Updates waren unregelmäßiger, da es einen begründbaren Mehrwert geben mußte. Dieses Jahr werden beide nicht erneuert werden. Es ergibt keinen Sinn jenseits einer besseren Kamera auf dem iPhone.
Apple und die EU (Digital Markets Act)
Als Apple in der WWDC Keynote 2026 länglich erklärte, warum Siri AI und andere Funktionen nicht in der EU verfügbar werden, war meine erste Reaktion: “Mist, verhindert die dumpfe EU-Bürokratie erneut meinen Zugang zu Innovation”.
Nach einigen Nächten darüber schlafen und ein wenig mehr Recherche kam ich zu dem Ergebnis: „Apple, ich kann deine Argumente nachvollziehen, warum der Zugang zu meinen Daten sensibel ist und du ihn daher zu meinem Schutz exklusiv nutzen möchtest. ABER ich bin erwachsen und möchte darüber selbst entscheiden können. Es ist gut möglich, dass ich bei Deinem Apple-Angebot bleibe. Da du jedoch in den letzten Jahren die KI-Entwicklung vergurkt hast, möchte ich mir die Option offenhalten, einen anderen KI-Provider zu nutzen!“
Ich finde die Argumentation der EU-Kommission passend. War das Zugangsmonopol zu Apps über den App Store auf iPhone und iPad noch irgendwie akzeptabel, wäre eine Apple-exklusive App-Zertifizierung auf dem Mac mit Sicherheit mein Exit-Kriterium. Und bei iPhone, Watch und iPad sehe ich keinen Anreiz auf neuere Hardware zu wechseln. Auch werde ich erstmals nach vielen Jahren am kommenden Montag und in den nächsten Monaten auf keinem meiner Apple-Geräte auf die neue “27er” Softwareversion wechseln. Ich sehe keinen Grund dies zu tun.
Schaue ich mir die Apple-Bilanz an, wird klar, dass der Großteil der Wertschöpfung durch Hardwareverkäufe entsteht. In Kombination mit geschlossenen, aber gut integrierten Betriebssystemen ergibt sich daraus eine Einheit. Diese Einheit ist nun durch KI-Funktionen und entsprechende Anbieter bedroht. Das Betriebssystem droht in den Hintergrund zu treten, was in der Folge zu einem Einbruch der Hardwareverkäufe führen könnte. Einige Experten sind der Meinung, dass die bunten Bildschirme im KI-Zeitalter insgesamt ein Relikt der Vergangenheit sind und sich alles in Richtung Sprache verschiebt. Ich kann das derzeit nicht nachvollziehen. Der Bildschirm bietet ein hohes Maß an Privatsphäre, das durch Spracheingaben nie erreicht werden kann. Nur die Sprachausgabe über Kopfhörer ist in Bezug auf die individuelle Privatsphäre gleichwertig. Bei Samrtglasses habe ich als Gleitsicht-Brillenträger wenig Zuversicht. Ingsamt vielversprechend, aber wenn “Smart” verlangt, dass ich mich bei meiner Brille auf die Korrektur meiner Kurzsichtigkeit (in die Ferne) beschränken muss, dann wird das nicht wirklich gut. Eine Kombination von Kamera plus Projektion des Nahinhalts auf den Screen in der Brille könnte eine Option sein. Da aber aktuell die Kameras in den Brillen bereits verteufelt werden, sehe ich in dieser Richtung wenig Akzeptanz. Insgesamt sehe ich in der überschaubaren Zukunft die Dominanz eines Smartphones. Aber ein neuer Wettbeeerb, welche Software-Plattformen relevant sind könnte beginnen. Apple hat einen guten Startplatz aber zumindest in der EU ein nicht wettbewerbsfähiges Modell.
Gleichzeitig hat Apple, von außen betrachtet, einen Teil der KI-Entwicklung verschlafen. Während auf der Hardwareseite mit dem MLX-Framework auf Apple Silicon ein durchaus leistungsfähiges und wettbewerbsfähiges Portfolio vorhanden ist, musste das Unternehmen auf der Softwareseite nach zwei Jahren der Nichterfüllung seit den Ankündigungen von KI-Funktionen auf der WWDC im Sommer 2024 nun auf eine Zusammenarbeit mit Google setzen und Gemini als Modell nutzen. Offen ist noch, wie gut Siri AI funktionieren wird, denn die Funktion setzt umfangreiche Vorarbeiten in den Apps voraus, die von den App-Entwicklern bereitgestellt werden müssen. Während MCP und auch die Integration von Agenten zumeist entlang bereits vorhandener APIs erfolgen können, möchte Apple die Entwickler mit seinem Ansatz in ein deutlich engeres Korsett pressen. Angesichts der Tatsache, dass im September 2026 viele große Märkte wie die EU, China und Japan vorerst ausgeschlossen sind, habe ich Zweifel daran, dass App-Entwickler bereit sein werden, mit voller Kraft in dieses Thema einzusteigen.
Für den Moment werden iPhone und Watch mein primäres Smartphone-System bleiben. Aber gedanklich bereite ich bereits meinen Abschied vor – zumindest als valide Option.
Vor Kurzem musste ich mein Android-Basteltelefon austauschen. Für 160 € habe ich ein aktuelles 5G-Samsung-Mittelklassemodell erstanden. Hardwareseitig macht dieses Gerät einen wertigen Eindruck, das Betriebssystem ist mir allerdings noch immer fremd. Wenn ich die Entwicklung der Claude- und Codex-Apps in den vergangenen 24 Monaten betrachte, kann ich mir vorstellen, dass sich meine Nutzung zunehmend in Richtung dieser Apps verschieben wird. Damit würde das Betriebssystem auf allen Geräten nachrangig oder eventuell sogar ersetzt werden: Apple OS & Android Bye-bye & I don’t care!
Die nächste Zeit bleibt spannend, Apple ist noch nicht ausgeschieden, aber die Mini-Fortschritte und überhebliche Abschottung gefährden (erneut) die Zukunft.
Mein 9/11
Es gibt Tage, die sich sehr markant einprägen. Der 11. September 2001 ist für mich einer dieser Tage. Meiner Einschätzung nach ist es ein Ereignis, das die folgenden 25 Jahre geprägt hat und auch mindestens die nähere Zukunft prägen wird.
Am Nachmittag des 11. September 2001 saß ich zusammen mit einem amerikanischen Kollegen, der kurz zuvor nach Deutschland gezogen war, in einem Büro in Wiesbaden direkt neben dem Hauptbahnhof. Wir arbeiteten an unseren Laptops mit einer aus heutiger Sicht schmalbandigen Internetverbindung (unter einem Megabit, gemeinsam genutzt) an einem Projektdokument, waren aber gleichzeitig auch online.
Zu dieser Zeit bedeutete „online“ für mich immer: MSN Messenger und ein geöffnetes und aktives Browserfenster mit einer Nachrichtenseite. Ich bin nicht sicher, ob mein Nachrichtenportal noch Focus Online war, das ab Mitte der 90er-Jahre eine gute Nachrichtenübersicht – vermutlich weitergeleitete Agenturmeldungen – bereitstellte, oder schon Spiegel Online.
Fast Live dabei
Gegen 15 Uhr sagte dieser Kollege: „Crazy, there are reports that a plane crashed into the New York WTC!“ Er hatte eine Messenger-Nachricht von US-Freunden erhalten. Wir begannen beide, der Sache nachzugehen, unterhielten uns parallel und spekulierten dabei über das „Was und Wie“ (Kleinflugzeug, Jet, Militärmaschine …), aber nicht im Entferntesten über ein „Warum“. Meine bevorzugten deutschen Nachrichtenseiten hatten zu dieser Zeit noch keine Informationen, während die amerikanischen Nachrichtenmedien bereits mit ihrer Berichterstattung begonnen hatten. Dazu gehörte auch ein CNN-Livestream (aus heutiger Sicht in Sub-SD-Qualität, aber es gab Bewegtbild und Ton). Schnell wurde klar, dass aufgrund der Rauchwolke etwas Größeres eingeschlagen sein musste. Ich meine, wir hätten den Einschlag des zweiten Flugzeugs live im Stream gesehen; es kann aber auch sein, dass wir nur eine der ersten Wiederholungen gesehen haben. Sicher bin ich mir hingegen, dass wir den Beginn des Einsturzes des Südturms noch im Livestream verfolgen konnten, bevor die Internetverbindungen zu US-Servern aufgrund von Kapazitätsüberlastung nicht mehr funktionierten. Kurze Zeit später waren auch die meisten deutschen Nachrichtenportale wegen Überlastung nicht mehr erreichbar. Ab diesem Zeitpunkt waren wir für Nachrichten auf das Radio eines Kollegen angewiesen.
Sorge um die Kollegen
Unser Unternehmen mit Hauptsitz in Seattle befand sich seit Anfang 2000 in einem weltweiten Aufbau. In Deutschland hatten im Laufe des Sommers eine Reihe neuer Kollegen begonnen, und ein gutes Dutzend Kollegen und teilweise Freunde war auf dem Weg nach Seattle zu seiner Onboarding-Session. Daher begannen im Laufe des späten Nachmittags die Telefone heiß zu laufen, weil die Angehörigen herauszufinden versuchten, was mit ihren Liebsten los war. Wir konnten schnell mit unserem Reisebüro klären, dass kein Kollege in einem der abgestürzten Flugzeuge gebucht war. Es blieb ein Restrisiko, dass kurzfristige Umbuchungen diesen Status geändert haben könnten. Später wurde klar, dass alle sicher in Seattle angekommen waren.
Im Verlauf des frühen Abends gab es nochmals Aufregung, als Gerüchte die Runde machten, dass es weitere gleichartige Anschläge auf ähnlich ikonische Gebäude geben könnte. Auf der Gerüchteliste standen auch die Seattle Twin Towers, im Hotel in diesem Gebäude waren unsere Kollegen untergebracht. Glücklicherweise passierte auch dort nichts. Die Kollegen berichteten jedoch von surrealen Szenen, als US-Kriegsschiffe fast direkt vor dem Hotel, im Hafen beziehungsweise in der Bucht von Seattle, Gefechtsposition bezogen.
Bis auf die Tatsache, dass die Kollegen deutlich länger als geplant in den USA bleiben mussten, ist ihnen aber nichts passiert.
Klarheit
Am Abend bin ich mit dem Auto von Wiesbaden zurück nach Hause in die Nähe von Köln gefahren. Auch in Deutschland kursierten wilde Gerüchte über mögliche Gefahren. In Frankfurt wurden vor allem der Messeturm und die Zwillingstürme der Deutschen Bank als Anschlagsziele genannt. Da der amerikanische Kollege seine Wohnung im Frankfurter Westend hatte, habe ich ihm telefonisch angeboten, zu mir nach Hause zu kommen. Das hat er nicht gemacht, und es ist auch nichts passiert.
Als ich zu Hause aus dem Auto stieg, waren ich bei Dingen sehr klar:
- In Anbetracht der Anschläge werden sich die Amerikaner als Nation zusammenfinden. Dies, obwohl die USA spätestens seit der Präsidentschaftswahl im November 2000 zerstritten war. Hatte ich, aus meiner deutschen Brille, den Großteil der Amerikaner bis dahin für vergleichsweise uninteressiert an der US-Bundespolitik erlebt, so hatte sich dies massiv geändert. Vorher war der Fokus dort mehr auf die eigene nähere Umgebung gerichtet. Von der Bundesebene wurde erwartet, dass sie das Land nach außen gut vertreten und sichern, die aber ansonsten heraushält und einen in Ruhe läßt. Ich war während und nach der 2000er Präsidentschaftswahl (Gore vs. Bush junior) und dem nachfolgenden Streit über die Auszählung und den Sieger in den USA. Hatte ich gelernt, das man anders als in Deutschland oder Europa, dort besser nicht über Politik spricht, änderte sich dies vor meinen Augen. Sehr binäre politische Positionsmitteilungen wurden normal. Dies steigerte sich ab dann von Wahl zu Wahl.
- Es wird eine heftige militärische Reaktion der USA geben. Aufgrund der Unklarheit hinsichtlich des Gegners war lediglich unklar, wie diese Reaktion aussehen würde. Aus meiner eigenen Erfahrung hatte ich nur die amerikanischen Bombardements auf Tripolis und Bengasi 1986, die Bombardements in Serbien, sowie den ersten Irakkrieg 1991 als Referenzgrößen in Erinnerung. Die Dimension der mit 9/11 direkt oder indirekt begründeten Kriegseinsätze war nicht erkannbar.
Auswirkungen bis heute
Bis heute haben die Auswirkungen von 9/11 Einfluss auf unser Leben:
- Sicherheitskontrollen: Flughäfen, Grenzübergänge und öffentliche Gebäude werden deutlich strenger kontrolliert. Flüssigkeitsbeschränkungen, Körperscanner, biometrische Pässe und umfangreiche Datenbanken sind Teil dieser Sicherheitskultur.
- Überwachung und Datenschutz: Der „Krieg gegen den Terror“ führte zu einer starken Ausweitung staatlicher Überwachung. Geheimdienste erhielten größere Befugnisse; zugleich entstand ein dauerhafter Konflikt zwischen Sicherheit, Privatsphäre und Bürgerrechten.
- Außenpolitik und Kriege: Die US-geführten Interventionen in Afghanistan und im Irak prägten die internationale Ordnung, destabilisierten ganze Regionen und trugen indirekt zur Entstehung oder Stärkung dschihadistischer Gruppen bei. Gesellschaftliches Klima: Muslime und Menschen, die als muslimisch oder arabisch wahrgenommen werden, waren häufiger Diskriminierung, Generalverdacht und antimuslimischem Rassismus ausgesetzt. Begriffe wie „Terrorismus“ wurden politisch und medial nachhaltig geprägt.
- Recht und Freiheitsrechte: Maßnahmen wie der Patriot Act, Vorratsdatenspeicherung, außergerichtliche Inhaftierungen und umstrittene Verhörmethoden verschoben vielerorts die Grenzen staatlicher Befugnisse.
- Medien und Erinnerungskultur: Live-Bilder globaler Katastrophen, permanente Nachrichtenzyklen und die Darstellung von Terror in Film, Fernsehen und Computerspielen veränderten den öffentlichen Umgang mit Gewalt und Angst.
- Infrastruktur und Wirtschaft: Kritische Infrastrukturen, Notfallplanung, Gebäudesicherheit und der Umgang mit Lieferketten- oder Cyberrisiken wurden neu bewertet.
- Politische Debatten: 9/11 dient bis heute als Bezugspunkt für Diskussionen über Migration, Integration, Grenzen, militärische Interventionen und den Umgang mit politischen Extremismen.
Das ikonische Gebäude-Duo, das man beim An- oder Abflug nach New York sehen konnte, fehlt. Noch heute bin ich angesichts der direkten Konfrontation mit den Folgen des Anschlags verstört, besonders bei Besuchen am Ground Zero. Berichte über Opfer und Helfer bewegen mich.
Während der zurückliegenden Fußball-WM sendete MagentaTV seine (profanen) Talkrunden von einem Balkon in New York mit Ground Zero im Hintergrund. Ohne Einordnung empfand ich diesen Hintergrund als unpassend.
Der 11. September 2001 - Ein mehr als denkwürdiger Tag.
Wir sind gefangen im Gesundheitswesen der 90er:Bitte faxen!
Eine Expedition ins deutsche Gesundheitswesen
Mein Vater kämpft seit einigen Wochen mit einer Harnwegsinfektion. Nach einem quälenden Wochenende stand gestern Vormittag ein weiterer Arztbesuch an. Aus der Arztpraxis erreichte mich der Anruf mit der Frage: „Kannst du mich ins Krankenhaus bringen?“ Ich ließ schnell alles stehen und liegen. Meine demente Frau wollte nicht mitkommen. Sie ist derzeit so gut eingestellt, dass ich kein Problem darin sah, sie für einige Stunden allein zu lassen. Das bestätigte sich auch bei meiner späteren Rückkehr.
Ich holte meinen Vater zu Hause ab. Er hatte bereits einen kleinen Koffer gepackt und drückte mir einen Stapel Papier in die Hand: eine Kurzzusammenfassung der Situation sowie ein ausgefülltes Überweisungsformular. Es fehlte jedoch die Information, wohin er genau musste.
Akt 1 - Papierberge im Krankenhaus
Nach einigen kurzen Aufregern bei der Anreise (Wo darf ich meinen Vater aussteigen lassen?) an der zentralen Patienten-Aufnahme angelangt. Eine digitale Voranmeldung durch den Hausarzt war nicht erfolgt. Mitgebrachtes Papier wurde in eine Mappe eingelegt, die Krankenkassenkarte war Basis für weitere Ausdrucke, die auch in die Mappe eingelegt wurden. Wir bekamen die Mappe in die Hand gedrückt und wurden zur zuständigen Ambulanz geschickt. Papier-Mappe abgegeben, gewartet, behandelt worden. Dann: Vater kann wieder nach Hause, Arztbrief wird an einem Bildschirmarbeitsplatz eingetippt und ausgedruckt. In diesem finden sich dann Sätze wie “Name nicht mehr erinnerlich” – vermutlich war die Papierakte wieder irgendwo und man konnte nicht nachschauen wer um was gebeten hatte. Dazu gab es noch ein Papier-Rezept.
Akt 2 - Ein Rezept ohne Unterschrift
Vater wieder ins Auto eingeladen, kurz vor seinem Zuhause die nahegelegene Apotheke aufgesucht. Der kritische Blick auf den Rezeptzettel machte. mich bereits leicht nervös. Mitarbeiter entschwindet in die hinteren Räume: “Moment bitte”. Nach einigen Minuten kommt er zurück: “Auf dem Rezept fehlt die Unterschrift des Arztes, das können wir so nicht einlösen!” — Diskussion der Alternative. Ergebnis: Apotheke legt das Medikament zurück, am Nachmittag Hausarzt anrufen, dort um die Neuausstellung des Rezepts bitten und Übermittlung per Fax an die Apotheke, diese bringt dann das Medikament am Abend zu meinem Vater. Gesagt getan, Mail an die Hausarztpraxis (GMail Account !) mit allen Papierdokumenten und bitte das Rezept zu übersenden. Nach fünf zusätzlichen Telefonaten konnte die Ersatzbeschaffung des Medikaments abgeschlossen werden. Zwischenzeitlich gelernt, dass in der Hausarztpraxis das Rezept auf die Krankenkassenkarte meines Vaters gespeichert wurde. Die Freigabe erfolgte bei diesem Arzt scheinbar nur im Sammelverfahren kurz vor Feierabend. Nachfolgend musste die Praxismitarbeiterin auf dieses abgespeicherte Rezept zugreifen und es Ausdrucken. Danach Fax an die Apotheke. Das Medikament landete am Abend im Briefkasten meines Vaters. Beiliegend ein Zettel mit der Bitte, in den kommenden Tagen die 5€ Rezeptgebühr auszugleichen. Das nicht unterschriebene Rezept hatte, aus welchen Gründen auch immer, einen “Kostenfrei” Vermerk.
Akt 3 - Die Suche nach einem Termin bei einem Urologen
Das Krankenhaus hatten meinen Vater entlassen mit dem Hinweis, dass er gerne bei Fieber oder Schüttelfrost sofort wieder kommen dürfe, ansonsten aber der Hausarzt nun für die weitere Behandlung zuständig sei. Der Hausarzt stellte “freundlicherweise” eine Überweisung zum Urologen aus, da ab diesem Punkt nicht mehr zuständig. Nachfolgend habe ich gesammelt zwei halbe Tage mit dem Abtelefonieren aller Urologen Umkreis des Wohnortes meines Vater verbracht. Gesucht wurde ein Termin für einen Katheter-Auslassversuch in der Folgewoche.
Praxis 1 hat noch Ferien, verweist an einen weiter entfernten Arzt.
Praxis 2 (der Verweis von 1) erklärt sich aufgrund des Wohnorts nicht zuständig und verweist auf die Tatsache, dass die gewünschte Behandlung ja auch in 5-6 Wochen erfolgen könne und da wäre ja die “zuständige Praxis” aus den Ferien zurück.
Praxis 3 ähnlich: Überlastung und Patienten nur aus Ort X. Aber es gäbe ja die Praxis 4 mit mehreren Kollegen, dort möge ich es doch bitte versuchen.
Praxis 4 war telefonisch über 2 Vormittage und einen Nachmittag nicht erreichbar: Entweder Leitung besetzt oder Anruf wurde nicht angenommen. Dort hatt man eine Doctolib-Seite. Terminangebote für gesetzlich Versicherte für die aufgeführte Anliegen im November/Dezember Zeitfenster. ODER: Selbstzahlertermine - Akute Beschwerden / Notfall zeitnah.
Praxis 5 war nicht erreichbar und auch ohne Möglichkeit zur Online-Terminanfrage.
Praxis 6 erklärte auch wieder die räumliche Nicht-Zustämdigkeit und Überlastung, obwohl bezogen auf Entfernung am nächsten zum Vater-Wohnort, aber seit 1975 in einem anderen Landkreis zugeordnet. Zwischenzeitlich hatte ich recherchiert, das die nötige Behandlung als Selbstzahler nicht die Welt kosten würde (< 100€). Da ich bereits massiv gefrustet war, die Optionen jenseits von Notaufnahme Krankenhaus, ausgingen, habe ich die Karte “Wann könnte ich denn einen Termin als Selbstzahler erhalten und was würde es ca. kosten?” gezogen. Termin gäbe es sofort, für die Kostendiskussion wurde ich direkt mit dem Arzt verbunden. Diesem die Situation geschildert. Nach kurzer guter und offener Diskussion gab es einen Termin für meinen Vater fünf Tage später ohne “Selbstzahlung”. Auch für diese Behandlung wurden wieder neu Papierstapel angelegt, es wurde aber auch fleissig in einen Computer getippt. Ausgabe dann aber immer wieder zurück auf Papier.
Akt 4 - Beschaffung in einem Sanitätshaus
Im Lauf der weiteren Behandlung nun ein Beschaffungsbesuch in einem Sanitätshaus. Ein Rezept beinhaltete die benötigten Dinge. In einem ersten Bearbeitungsschritt (ca. 10 Minuten) wurde unter Hinzuziehung von drei Kolleginnen festgestellt, dass die Mengenangaben auf dem Rezeot nicht stimmen würden und die Menge aus Gründen reduziert. Schritt 2 war dann 15 Minuten heranholen der benötigten Dinge inkl. ca. 3 Minuten Einweisung in die Anwendung. Schritt 3 die Information über die Dinge die im Starterpack nicht enthalten seien und selbst gekauft werden müssen oder ein sep. Rezept des Arztes erfordern würden (+5 Minuten). Weitere 10 Minuten waren erforderlich für die Kundenneuanlage in einem System zu erledigen, Austausch mit einem Kollegen, wie mit der passenden Krankenkasse (aus den TOP 3 bezogen auf Mitgliederzahlen) umzugehen sei. Nach füng weiteren Minuten für den Selbstzahler-Anteil konnte ich das Sanitätshaus verlassen.
Mein Fazit
Im genannten Ablauf habe ich erlebt, wie das deutsche Gesundheitswesen bezogen auf Digitalisierung fast durchgängig in den frühen 1990er Jahren stecken geblieben ist. Die Endgeräte sind vorhanden, werden aber wie “früher” nur im Stand-Alone Modus genutzt. Vernetzung ist auf dem Niveau “FAX” stecken geblieben.
Die Menschen mit denen ich es zu tun hatte, nutzen mit Sicherheit außerhalb ihres Berufslebens wie selbstverständlich moderne, vernetzte Kommunikations- und Organisatiosmittel. Sie werden aber aus (welchen ?) Gründen in ihrem Arbeitsleben täglich in die Vergangenheit zurückgebracht. Sie haben sich mit dem Unsinn arrangiert, wohlwissend wie ineffizient und rückständig ihr Handeln oft ist. Sie ahnen vermutlich, wieviel mehr Zeit sie mit Patienten und Kunden verbringen könnten, wenn der alte Kram endlich modernisiert wäre und Papier-Schnittstellen funktionieren würde. Ich glaubte dies ihnen Ansehen zu können oder hörte es auch. Wir müssen mehr als 35 Jahre schnell aufholen! Wir können das und wissen auch wie es funktioniert, müssen es nur machen.
c't Abo kündigen - Meine c't Magazin Kritik nach 30 Jahren
Warum ich mein c’t Abo kündigen musste
Nach mehr als 30 Jahren habe ich beschlossen, mein c’t Abo kündigen zu wollen. Ende Juni war es endgültig vorbei. In den letzten Jahren ist die Bedeutung der Zeitschrift für mich immer weiter gesunken. Das wichtigste Heft aus dem Heise Verlag habe ich seit den 80er Jahren regelmäßig gelesen. War es damals und lange danach eine wichtige Quelle und ein Maßstab im IT-Journalismus für mich, nahm sein Wert ab den 2000er-Jahren immer mehr ab. Später wurde es ganz durch viele andere Quellen ersetzt.
Aus Gewohnheit und Tradition und aus Bequemlichkeit hatte ich das Abo bisher immer wieder verlängert. Künftig werde ich ab und zu noch einmal hineinschauen: Readly und die Stadtbibliothek werden meine Quellen sein.
Am Anfang hatte ich das Abo, weil die Archiv-CD ein großer Vorteil war. Ohne zu Hause Papierberge stapeln zu müssen, hatte ich direkten Zugang zu damals durchaus wichtigen alten Inhalten. Die Jahres-CDs wurden durch DVDs für längere Zeiträume und später durch ein Online-Archiv hinter einer Abo-Paywall ersetzt. Jedes Mal passte das zur Zeit.
Meine c’t Magazin Kritik zum Medienwandel
Gefühlt ist die c’t für mich stehen geblieben, während sich diese Themenwelt mit dem allgemeinen Medienwandel weiterentwickelt hat und sehr bunt geworden ist. Die c’t hat viele Chancen verpasst. Das Online-Forum hat bis heute ein grässliches UI und ist kaum nutzbar. Ein echter Austausch mit Lesern wurde nie ernsthaft gesucht. Auffällig ist: Zu jedem Artikel finden sich mindestens ein Dutzend (für mich meist nutzlose) Rückmeldungen. Darin geht es um den Nutzen des vorgestellten Themas für den jeweiligen Verfasser.
Ein weiterer Punkt für meine c’t Magazin Kritik: Geärgert hat mich ein nicht gehaltenes Versprechen in einem Artikel zu IPTV-Angeboten im Zusammenhang mit den Sportberichten zur Fußball-WM. Darin wurde ein Online-Update zum 12.06.2026 angekündigt. Eine tolle Idee, um das Print vs Digital Dilemma zu lösen und Updates im Netz nachzureichen. Aber weder am 12.06. noch in den Wochen bis zum Ende der WM konnte ich das Update finden. Versprochen - gebrochen!
Auch die Bastel-Projekte klemmen; Sie beginnen in der Print-Ausgabe, werden aber nicht auf der digitalen Seite weitergeführt oder wechseln schwer nachvollziehbar zwischen Online-Community und einer Zusammenfassung des Stands im Heft. News zu Produkten sind heute viel schneller online zu finden. Ohne zusätzliche Erklärung ist die Veröffentlichung in einem monatlichen Magazin unnötiges Papier.
Fazit: Print vs Digital als verpasste Chance
Ich frage mich noch, ob die sehr lange Weigerung, reine Digital-Abos anzubieten, ein kluger Zug war oder auch zum Abstieg beigetragen hat. Hätte ich mein Abo schon viel früher gekündigt, wenn es “pur digital” gegeben hätte? Auch der wenig attraktive Preisunterschied hat mich nach dem Start des Angebots nicht zum Wechsel bewegt. Vielleicht ist das der Grund, warum ich dieses Abo bis vor kurzem noch hatte.
Ich werde die Entwicklung beobachten, befürchte aber, dass ohne große Änderungen bald nur noch der Satz “Wurde eingestellt” zu finden sein wird.
Blogroll Curator + Hugo Blogroll Paket
Blogroll
Ich mag Blogrolls oder auch nur Empfehlungsseiten. Aktuell kommt durch rivva.de Bewegung in dieses Feld.
Blogroll Curator
Meine genutzten RSS-Plattformen (miniflux & FreshRSS) bieten jenseits von einer dezidierten Kategorie für meine Einträge auf meine Blogroll keine Möglichkeit Tags oder vergleichbares einem Feed hinzuzufügen. Auch alle Feedreader die ich kenne sind in dieser Hinsicht keine Hilfe. Daher habe ich eine kleine App assistiert gebaut: OPML-Export –> lokale Datenbank & Kuratierung (Auswahl, Mein Kommentar, Sprache des Blogs) –> OPML Ausgabe mit Zusatztags.

Erste Version ist hier zu finden: Github Blogroll Curator
Hugo Blogroll Paket
Um Blogrolls direkt aus einer OPML-Datei erstellen zu lassen habe ich zusätzlich ein Hugo Paket assistiert gebaut, dass die wesentlichen Dinge für eine Blogroll einer Hugo Site hinzufügt. Die Blogroll hier wird mit diesem Paket erstellt.
40 Jahre Online
Erstes Modem
Zum Ende der Sommerferien 1986 kaufte ich mir ein Modem als Einsteckkarte für meinen Apple IIe. Den genauen Preis erinnere ich nicht, ich meine aber, dass es zwischen 300 und 400 Mark waren. Ich hatte während der Sommerferien bei einem Ferienjob Geld verdient und dieses Geld wurde zu einem Teil für den Kauf verwendet. Zu Hause hatten wir einen Telefonanschluß, der in meinem Zimmer ins Haus hereingeführt wurde. Dort habe ich das Modem irgendwie aufgeklemmt und es funktionierte auf Anhieb. Geschwindigkeit: 300 Baud (entspricht 300 Bit/s – ~30 Zeichen pro Sekunde).
Meine erste Verbindung erfolgte zu einem Mailboxsystem des WDR Computer Clubs. Für mich war das alles furchtbar spannend und aufregend, meinen Eltern war es mehr als suspekt. Das Telefon war ein geschlossenes System, Telefone gab es nur bei der Bundespost zu kaufen oder mieten. Computer waren selten, dass diese jetzt mit dem geschlossenen Telefonnetz verbunden wurden, irritierte.
Mailboxen (BBS)
Die damaligen Mailboxen waren in sich geschlossene Systeme, es gab Basisfunktionen für Anmeldung, privten Nachrichtenaustausch und öffentliche “Foren”. Das WDR System hatte zusätzlich eine 2er-Chat Funktion. Es gab zwei Einwahlmöglichkeiten. Jeder Nutzer konnte den parallel eingewählten Nutzer an-chatten. Da kamen manchmal schon obskure Chats bei heraus, die aber aus heutiger Erinnerung alle harmlos waren.
In der Zeit hat sich in Köln eine kleine, überschaubare Szene gebildet. Jeder kannte (fast) jeden. Wenn ich das richtig erinnere, dann entwickelte sich (typisch deutsch) der Verein Computer Artists Cologne (CAC).
Die meisten der damaligen Mailboxen basierten auf einer C64 Software, die Menge der gespeicherten Daten (nur ASCII Texte) war begrenzt auf die Anzahl der angeshlossenen Diskettenlaufwerke.
Um in den überregionalen Austausch zu kommen, musste eine Mailbox im Zielgebiet angewählt werden. Limitierender Faktor waren die Telefongebühren. Waren es im gleichen Ortsnetz und dem Bereich darum herum 23 Pfennig pro 8 Minuten, wurde es schnell teuer. Im Fernbereich waren es bereits 1,15 DM pro Minute. Und Verbindungen dauerten, da man manuell durch Menüs navigieren musste und Texte nur langsam herunter geladen wurden. Vor meinen Online Ausflügen lag unsere monatliche Telefonrechnung bei 30-40 Mark. Dies steigerte sich durch Online auf ca. 100 DM, war aber manchmal auch mehr.
Internationale Verbindungen - Datex-P
Seit 1987 arbeitee ich neben meinem Studium bei einem Software-Distributor für den Commodore Amiga. Dort waren Informationen zu Trends und neuen Entwicklungen Geld wert. Ich hatte herausgefunden das es eine Online Quelle für Branchennachrichten auf einem via Datex-P erreichbaren System in den USA gab. Die regelmäßigen Abrufe dort waren noch ein Stück aufregender für mich. Kosten pro Abruf des Newsletters ca. 100 DM für den Datentransport via Datex-P.
Internet
1990 kam für mich das Internet dazu. In Berlin gab es ein System, dass mit mehreren geteilt, eine 9600 Bit/s Uplink zur Uni in Berlin hatte. 1992 / 1993 dann ein Dial-Up Zugang mit eigenem Host über rhein.de, später dann per Dial-On Demand ISDN-Verbindung. Inhaltlich schreibe ich evtl. ein anderes Mal dazu.
Fazit
Die Mailboxen hatten schnell ihre Grenzen erreicht und wurden für mich langweilig. Auch spätere Vernetzungen im Fido-Netz haben nicht überdauert, sondern waren Brückentechnologie. Die hohen Kosten und Zugangsbarrieren sind zum Glück vorbei. Das Internet ist bis heute geblieben, auch wenn es heute sehr anders ist als 1990.
Zugang zur Tagespflege so einfach?
Zum verrückt werden!
Der Kölner Stadtanzeiger veröffentlichte heute einen Artikel mit dem Titel Tagespflege NRW: Alleine darf man nicht sein, sagt Frau Nickel der mich richtig ärgerlich machte. Im Artikel wird die schöne Welt der Tagespflege beschrieben am Beispiel der 90-jährigen Frau Nickel. Dazu ist noch der “nette” Satz enthalten:
Die Tagespflege ist ein Angebot mit großem Potenzial. Und doch bleibt sie oft ungenutzt.
Meine Wirklichkeit
Seit mehr als einem Jahr bin ich auf der (bisher vergeblichen) Suche nach genau solch einem Tagespflegeplatz für meine demente Frau. Leider kann meine Frau aufgrund des Krankheitsfortschritts nicht alleine bleiben. Zur Zeit habe ich fürs Einkaufen und andere Erledigungen jede Woche zwei Entlastungen: Jeden Dienstag kommt für 2-3 Stunden eine ehrenamtliche Helferin. Donnerstags ist unsere Haushalthilfe für 3 Stunden bei uns. Alles andere erfordert langen Vorlauf und viel Organisation um am Abend alleine zu einer Veranstaltung gehen zu können.
Die Tagespflege wäre hier die passende Entlastung. Bei einigen Einrichtungen ist meine Frau über ein Jahr auf der Warteliste. Nachfragen leider immer erfolglos.
Zweimal hatten wir das große Glück, dass meine Frau an einem Probevormittag in einer Tagespflege teilnehmen durfte. Bei Einrichtung Nummer 1 war ich nach dem Hinbringen gerade wieder zurück zu Hause, als die Tagespflege anrief und bat meine Frau wieder abzuholen, da man ihre Betreuung nicht leisten könne. Grund: Sie lief zuviel herum!.
Bei Einrichtung Nummer 2 war es deutlich besser. Ich holte meine Frau um 13 Uhr ab. Sie machte einen zufriedenen Eindruck und auch das Feedback der Einrichtungsleiterin empfand ich als positiv und angemessen. Auf Nachfrage, wie es denn jetzt weiter gehe könnte, wurde mir dann aber beschieden, dass man meine Frau derzeit nicht aufnehmen könne, da man für die nächsten Monat dafür nicht das Personal habe. Ich könnte gerne in einigen Monaten nochmals nachfragen.
Von Fachberatern (von denen es jede Menge gibt) wurde mir mehrfach bestätigt, dass man beobachte, dass sich die Einrichtungen vor den komplizierten (Demenz-) Fällen drücken und diese nicht aufnehmen.
Leserbrief
Der nachfolgende Leserbrief wurde (bisher) nicht veröffentlicht. Allerdings meldete sich die Autorin des Artikels und stellte in Aussicht, dass sie auch nun mehrfach von den geschilderten Probleme gehört habe und dies im Artikel nicht berücksichtigt sei. Sie überlege möglicherweise nach der Sommerpause das Thema nochmals mit dieser anderen Sichtweise aufzunehmen.
Friede, Freude, Kirschenkuchen – Der exklusive Club der Tagespflege
Ein rührender Artikel: Frau Nickel schlendert entspannt zum Supermarkt für ein paar Kirschen und spielt vergnügt „Mensch ärgere dich nicht“.
Die Diakonie schwärmt zeitgleich, dieses „Angebot mit großem Potenzial“ bliebe leider „oft ungenutzt“. Da kommen einem als Angehöriger eines demenzkranken Menschen unweigerlich die Tränen – allerdings vor Wut und blankem Zynismus.
„Oft ungenutzt“? Das ist der Hohn des Jahres. Erzählen Sie dieses Märchen mal den Familien, die verzweifelt versuchen, für einen Menschen mit fortgeschrittener Demenz einen Platz zu ergattern. Die Realität abseits der redaktionellen Kirschen-Idylle lautet: Man verrottet jahrelang auf Wartelisten, auf denen sich praktischerweise niemals Vakanzen ergeben. Auf die fest zugesagten Rückrufe der Einrichtungen wartet man ohnehin bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag.
Bekommt man doch einmal einen der mythischen Probetage, sieht die viel gepriesene „Teilhabe“ für Demenzkranke meist so aus: Das Telefon klingelt mitten am Vormittag. Man möge den Angehörigen bitte sofort wieder abholen. Der Gast sei zu unruhig, passe nicht in die Gruppe, kurzum: Er macht schlichtweg „zu viel Arbeit“. Ein echtes Träumchen für berufstätige Angehörige, die eigentlich Entlastung suchten.
Noch perfider ist nur Variante zwei: Der Probetag läuft wunderbar. Der demenzkranke Mensch blüht auf, hat erkennbar Freude an der Gesellschaft – ganz im Sinne des Mantras „Alleine soll man nicht sein“. Doch pünktlich an der Abhol-Tür gibt es den verbalen Tritt in die Magengrube: „Leider haben wir Personalmangel. Eine Betreuung ist bei diesem Aufwand nicht möglich.“
Es ist schon bemerkenswert, dass dieser Personalmangel immer exakt dann zuschlägt, wenn jemand echte Pflege benötigt. Und das, obwohl durch die hohe Pflegestufe des Demenzkranken ein deutlich höherer Tagessatz an die Einrichtung fließt! Das Geld der Pflegekassen nimmt man offenbar gerne – aber bitte nur für Premium-Gäste, die nett plaudern, sich selbst anziehen und beim Yoga mitmachen. Wer hingegen echte Arbeit macht, stört den unbeschwerten Betriebsablauf.
Frau Nickel hat völlig recht: Alleine soll man nicht sein. Aber die ungeschminkte Wahrheit der Tagespflege lautet: Wer dement ist, bleibt draußen. Wer dieses System der knallharten Rosinenpickerei als flächendeckendes Sicherheitsnetz verkauft, verhöhnt all jene Familien, die davon jeden Tag aufs Neue systematisch aussortiert werden.
Marktlücke: Halbes Sachbuch zum halben Preis?
Jean-Remy von Matt: “Spart Zeit, ohne Erkenntnisverlust”
Ist das “halbe Sachbuch” eventuell eine Marktlücke, die es zu füllen gilt?
Auf der lit.Cologne: Eine Ikone der Werbebranche: Jean-Remy von Matt und die Bücher seines Lebens. Mit Jörg Thadeusz erklärte Jean-Remy von Matt, dass er Sachbücher immer nur bis zur Mitte liest. So spart er Zeit, ohne auf Erkenntnisse zu verzichten.

Mein Hadern mit dem seltenen Beenden von Sachbüchern
Seit vielen Jahre hadere ich damit, dass ich nur bei sehr wenigen Sachbüchern bis zum Ende durchhalte. Die Buchmitte ist vermutlich ein guter Mittelwert. Nur Bücher, die in irgendeiner Form unterhaltsam sind, lese ich bis zum Ende.
Auf dem Heimweg nach der Veranstaltung hatte ich auch sofort das Buch präsent, bei dem mir klar wurde, dass die Kerngedanken aller Autoren sich immer in den ersten Kapiteln finden: Daniel Goudevert aus den 1990er Jahren zur Mobilität. Auch hier: Interessante Gedanken, die sich aber schnell wiederholten. Eine kurze Suche in unseren Bücherregalen nach dem Buch war erfolglos, aus der Erinnerung wurde es aus Platzgründen vor einem unserer Umzüge aussortiert.
Marktlücke ?
Einige haben sich bereits seit einiger Zeit mit dem Problem der Kurzzusammenfassungen beschäftigt, wie zum Beispiel Blink und Reader’s Digest. Heute ergänzen halbwegs brauchbare KI-Modelle, die große Sprachmodelle nutzen, diese Zusammenfassungen. Sie können auch interaktiv in einem Chat Fragen zu einem Buch beantworten.
Vielleicht sollten die Verlage zur Steigerung der Auflagen auch die “halbe Portion” Buch zum halben Preis anbieten, mit der Möglichkeit, den Rest bei Gefallen nachzukaufen. Das ist vermutlich ähnlich unrealistisch wie “faire” Preise für E-Books in Deutschland.
Klage eines Boomers
Ein Fundstück:
Ob man will oder nicht – treibt man sich auf Kleinanzeigen- oder Nachbarschaftsportalen herum, lernt man mehr über den Bildungs- und Herzensbildungsdurchschnitt der Bevölkerung als man je zu erfahren wünschte. […] Anreden fallen aus, Höflichkeit auch.
Der Beitrag hat mich an eine Diskussion mit meinem Vater erinnert, der sich heftigst über die Übermittlung einer Handwerkerrechnung per E-Mail im Anhang ärgerte. Grund des Ärgers waren die fehlende Anrede und ein fehlender Bezug zur Rechnung (Betreff: Rg 2025-0184), dafür aber eine sehr ausführliche Grußformel im Sinne von: „Herzliche Grüße aus XY, bleiben Sie gesund und geben Sie acht …“
allerleidabei - Los geht's
Neuer Anfang
Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen, wieviele Anläufe für eine eigene Webseite, ein Blog, mit den Inhalten die mir wichtig sind, zu erstellen.
Historie
Ich erinnere an einen ersten Versuch um 1993 / 1994 herum. HTML bahnte sich seinen Weg, alles wurde von Hand zusammengebaut. Archie und Gopher strebten Richtung Irrelevanz.
Es folgten Themen-spezifische Anläufe z.B. nur zu Tech-Kram, eine Sammlung bei Tumblr.
Ab 2011 eine kurze Phase der Begeisterung, das Facebook die ultimative Möglichkeit sein könnte, mein öffentliches Archiv zu werden. In 2016 habe ich diesen Irrglauben hinter mir gelassen und mich selbst dort wieder gelöscht.
Insta und andere habe ich nie versucht. Twitter schien mir nie geeignet dafür, war auch nie eine Austauschplattform für mich, mehr ungefilterte Nachrichtenquelle.
Obwohl mich Video als Medium seit den 1980er Jahren fasziniert und immer wieder Raum eingenommen hat, finde ich es für mich als Archiv ungeeignet. Daher waren YouTube und Tiktok keine Option.
Was passiert hier?
Jetzt habe ich mich entschieden, dass ich hier nur etwas für mich baue, nicht mehr und nicht weniger. Wer Mitlesen mag ist eingeladen. Wenn keiner mitliest macht das auch nichts.
Daher auch der Titel: allerleidabei – und ein wildes Allerlei wird es werden. Von Menschen, Zusammenleben über Tech inkl. AI, Gadgets, Kaffee, Essen, Kochen, Videotechnik, Photographie und Design, Kunst, Bücher, TV und Politik wird alles dabei sein. Vermutlich manchmal mit einem Schwerpunkt, oft aber wild verstreut.
Edward Hopper gehört zu meinen Lieblingsmalern. Illustrationsbild erstellt mit Google Gemini. ↩︎