Mein Apple-Anfang 1984

On-Off-Beziehung ist eine sehr treffende Beschreibung meiner Beziehung zu Apple. Mein Jahrgang war der erste, der in der Oberstufe einen Informatikkurs belegen konnte. Der Grundkurs Informatik startete im Sommer 1984 auf zehn Apple-IIe-Systemen. Programmiert wurde mit UCSD Pascal. Fast zeitgleich kam Anfang 1984 der erste Mac auf den Markt. Das Gerät faszinierte mich sehr. Oft verbrachte ich viel freie Zeit in Geschäften, in denen man einen Mac ausprobieren konnte. Preislich spielte der Mac in einer Traum-Liga.

Scan einer Apple Preisliste aus 1985 - Apple Macintosh Basispreis DM 8470,–

Ohne viel Mühe hatte man schnell mehr als zehntausend Mark auf der Rechnung. Bei vielen Händlern gab es Rabatte auf die Listenpreise, aber der Mac-Preis war weiterhin astronomisch. Daher bekam ich 1985 nur einen Apple //e. Aus Nostalgiegründen ist dieser immer noch vorhanden und steht, verstaut in zwei Kisten, im Keller. Vor einigen Jahren war er noch funktionstüchtig. Es folgten Amiga und PCs. 1989 leihweise für ein halbes Jahr einen aktuellen Mac für die DTP-Nutzung. Ansonsten viel Windows und Linux 08/15 Hardware und OS.

Lange Pause, Newton und Hackintosh

Dann über Jahre erneut kein Bezug zu Apple, um 1998 herum eine kurze, intensive Zeit mit einem Newton (liegt auch noch im Keller). Damals Visionär, aber leider noch zu unreif und zu früh auf den Markt gebracht. Nächster Apple-Kontakt via Hackintosh auf einem IBM X61t Notebook, später abgelöst durch ein 15" HP-Hackintosh-Notebook.

iMac, iPhone & iPad

Im Winter 2009 wechselte ich als primäres Arbeitsgerät auf ein iMac 27". Windows dann für lange Zeit nur auf Notebooks.

Seit Herbst 2008 sind unterschiedliche iPhone-Modelle mein primäres Mobiltelefon. Ab 2010 gesellte sich das iPad dazu. Viele der meistgenutzten Anwendungen verlagerten sich vom iPhone auf das iPad. Das iPad schien mir die perfekte Kombination aus Mobiltelefon und Notebook zu sein.

Seit Frühjahr 2025 ist ein Macbook Air M4 vorhanden (hat ein Macbook Air M1 abgelöst, das aber fast nur als Unterwegs-Notebook im Einsatz war). Mit dem M4 Macbook wurden die iPads (iPad Pro 12.9 + Standard iPad aus 2022) fast obsolet. Zusammen mit dem iPhone 15 Pro Max ist das Macbook Air gefühlt ausreichend. Gedanklich erkläre ich mir diese massive Nutzungsveränderung mit dem Aufkommen der AI-Nutzung, bei der gefühlt die Limitationen des iPad für mich überwogen.

Vorgespult zu 2026

Aktuell sind immer noch das iPhone 15 Pro Max, eine Apple Watch 10 und das Macbook Air M4 im Einsatz. In der Vergangenheit habe ich die iPhones alle drei Jahre erneuert. Die Watch Updates waren unregelmäßiger, da es einen begründbaren Mehrwert geben mußte. Dieses Jahr werden beide nicht erneuert werden. Es ergibt keinen Sinn jenseits einer besseren Kamera auf dem iPhone.

Apple und die EU (Digital Markets Act)

Als Apple in der WWDC Keynote 2026 länglich erklärte, warum Siri AI und andere Funktionen nicht in der EU verfügbar werden, war meine erste Reaktion: “Mist, verhindert die dumpfe EU-Bürokratie erneut meinen Zugang zu Innovation”.

Nach einigen Nächten darüber schlafen und ein wenig mehr Recherche kam ich zu dem Ergebnis: „Apple, ich kann deine Argumente nachvollziehen, warum der Zugang zu meinen Daten sensibel ist und du ihn daher zu meinem Schutz exklusiv nutzen möchtest. ABER ich bin erwachsen und möchte darüber selbst entscheiden können. Es ist gut möglich, dass ich bei Deinem Apple-Angebot bleibe. Da du jedoch in den letzten Jahren die KI-Entwicklung vergurkt hast, möchte ich mir die Option offenhalten, einen anderen KI-Provider zu nutzen!“

Ich finde die Argumentation der EU-Kommission passend. War das Zugangsmonopol zu Apps über den App Store auf iPhone und iPad noch irgendwie akzeptabel, wäre eine Apple-exklusive App-Zertifizierung auf dem Mac mit Sicherheit mein Exit-Kriterium. Und bei iPhone, Watch und iPad sehe ich keinen Anreiz auf neuere Hardware zu wechseln. Auch werde ich erstmals nach vielen Jahren am kommenden Montag und in den nächsten Monaten auf keinem meiner Apple-Geräte auf die neue “27er” Softwareversion wechseln. Ich sehe keinen Grund dies zu tun.

Schaue ich mir die Apple-Bilanz an, wird klar, dass der Großteil der Wertschöpfung durch Hardwareverkäufe entsteht. In Kombination mit geschlossenen, aber gut integrierten Betriebssystemen ergibt sich daraus eine Einheit. Diese Einheit ist nun durch KI-Funktionen und entsprechende Anbieter bedroht. Das Betriebssystem droht in den Hintergrund zu treten, was in der Folge zu einem Einbruch der Hardwareverkäufe führen könnte. Einige Experten sind der Meinung, dass die bunten Bildschirme im KI-Zeitalter insgesamt ein Relikt der Vergangenheit sind und sich alles in Richtung Sprache verschiebt. Ich kann das derzeit nicht nachvollziehen. Der Bildschirm bietet ein hohes Maß an Privatsphäre, das durch Spracheingaben nie erreicht werden kann. Nur die Sprachausgabe über Kopfhörer ist in Bezug auf die individuelle Privatsphäre gleichwertig. Bei Samrtglasses habe ich als Gleitsicht-Brillenträger wenig Zuversicht. Ingsamt vielversprechend, aber wenn “Smart” verlangt, dass ich mich bei meiner Brille auf die Korrektur meiner Kurzsichtigkeit (in die Ferne) beschränken muss, dann wird das nicht wirklich gut. Eine Kombination von Kamera plus Projektion des Nahinhalts auf den Screen in der Brille könnte eine Option sein. Da aber aktuell die Kameras in den Brillen bereits verteufelt werden, sehe ich in dieser Richtung wenig Akzeptanz. Insgesamt sehe ich in der überschaubaren Zukunft die Dominanz eines Smartphones. Aber ein neuer Wettbeeerb, welche Software-Plattformen relevant sind könnte beginnen. Apple hat einen guten Startplatz aber zumindest in der EU ein nicht wettbewerbsfähiges Modell.

Gleichzeitig hat Apple, von außen betrachtet, einen Teil der KI-Entwicklung verschlafen. Während auf der Hardwareseite mit dem MLX-Framework auf Apple Silicon ein durchaus leistungsfähiges und wettbewerbsfähiges Portfolio vorhanden ist, musste das Unternehmen auf der Softwareseite nach zwei Jahren der Nichterfüllung seit den Ankündigungen von KI-Funktionen auf der WWDC im Sommer 2024 nun auf eine Zusammenarbeit mit Google setzen und Gemini als Modell nutzen. Offen ist noch, wie gut Siri AI funktionieren wird, denn die Funktion setzt umfangreiche Vorarbeiten in den Apps voraus, die von den App-Entwicklern bereitgestellt werden müssen. Während MCP und auch die Integration von Agenten zumeist entlang bereits vorhandener APIs erfolgen können, möchte Apple die Entwickler mit seinem Ansatz in ein deutlich engeres Korsett pressen. Angesichts der Tatsache, dass im September 2026 viele große Märkte wie die EU, China und Japan vorerst ausgeschlossen sind, habe ich Zweifel daran, dass App-Entwickler bereit sein werden, mit voller Kraft in dieses Thema einzusteigen.

Für den Moment werden iPhone und Watch mein primäres Smartphone-System bleiben. Aber gedanklich bereite ich bereits meinen Abschied vor – zumindest als valide Option.

Vor Kurzem musste ich mein Android-Basteltelefon austauschen. Für 160 € habe ich ein aktuelles 5G-Samsung-Mittelklassemodell erstanden. Hardwareseitig macht dieses Gerät einen wertigen Eindruck, das Betriebssystem ist mir allerdings noch immer fremd. Wenn ich die Entwicklung der Claude- und Codex-Apps in den vergangenen 24 Monaten betrachte, kann ich mir vorstellen, dass sich meine Nutzung zunehmend in Richtung dieser Apps verschieben wird. Damit würde das Betriebssystem auf allen Geräten nachrangig oder eventuell sogar ersetzt werden: Apple OS & Android Bye-bye & I don’t care!

Die nächste Zeit bleibt spannend, Apple ist noch nicht ausgeschieden, aber die Mini-Fortschritte und überhebliche Abschottung gefährden (erneut) die Zukunft.