Dirk von Gehlen schreibt in seinen “Digitalen Notizen” einen schönen offenen Brief an KI. Erinnerte mich an meinen fortlaufenden, inneren Monolog zu “Wieviel plappern wir Menschen nach?”
Du bist ein Spiegel, in dem wir uns häufig nicht genau erkennen, wenn wir in ihn blicken. Wie bei einem Spiegel gilt jedoch auch bei dir: Damit sich was spiegeln kann, braucht es etwas oder jemanden, was vor den Spiegel tritt. Du spiegelst auf neue Art und Weise – auch Inhalte von mir.
Ich habe vor einigen Jahren, noch bevor der große KI-Hype richtig losging, bei einem Führungskräftemeeting eines Unternehmens meinen Ausblick auf KI vorgestellt. Dabei habe ich auch den Nachplapper-Effekt gestreift, um eine Abgrenzung zur vermeintlich richtigen, menschlichen Intelligenz zu beschreiben. Seit der Vorbereitung auf diesen Vortrag geht mir aber immer wieder die Frage durch den Kopf, wie viel unserer menschlichen Intelligenz kein Nachplappern ist.
Lernen und Ausbildung sind oft vom Auswendiglernen bekannten Wissens geprägt. Wir erlernen Dinge, die anschließend in gleicher Abfolge angewandt werden. Auch die akademische Ausbildung fokussiert sehr oft auf das (manchmal sinnlose) Auswendiglernen von Inhalten, die sich anschließend leicht überprüfen lassen. Oft habe ich mich selbst dabei ertappt, dass ich ein neues Wort oder eine Formulierung aufgeschnappt habe, es oder sie mir gefallen hat und ich es oder sie daraufhin (manchmal zu oft) in meinen aktiven Wortschatz aufgenommen habe. An vielen Stellen würde ich uns Menschen ebenfalls viel Nachplappern unterstellen.
Wie groß ist bei uns Menschen der Anteil der Neuschöpfung von Wissen, des neuen Kombinierens von (ursprünglich nicht zusammenhängenden) Dingen zu etwas Neuem? Wie oft handelt es sich dabei um zufällige Kreationen, die eine Maschine auch mithilfe eines Zufallsmechanismus nachstellen könnte? Wie oft ist es ein Transfer zwischen unterschiedlichen Disziplinen oder Kategorien, den eine (unbegrenzte) KI nicht leisten kann?
Für mich habe ich noch keine abschließende, einfache Antwort auf diese Frage gefunden. Sie bleibt eventuell länger offen, als es manchem Zeitgenossen, der es gerne einfach mag, lieb ist. Von daher gefällt mir der Text von Dirk von Gehlen sehr, der zumindest die Türe gut differenziert ein Stück weit aufstößt.