Nach langer Zeit haben meine Frau und ich wieder einmal eine Nacht durchgemacht und sind erst um 6 Uhr in der Früh ins Bett gegangen.

Nur leider anders als früher. Nach einem kleinen Sturz gestern Abend kam meine an Alzheimer erkrankte Frau nicht allein vom Boden auf die flache Couch und verweigerte meine Hilfe lautstark. Dazu kamen Fieber und einige andere Symptome. Daher musste ich den Rettungsdienst alarmieren. Es folgte die Einlieferung in die Notaufnahme einer innenstadtnahen Kölner Klinik. Nach gründlicher Untersuchung, bei der nichts offensichtlich Auffälliges festgestellt wurde, und angesichts ihres relativ guten Allgemeinzustands und ihrer Demenz wurde schließlich entschieden, dass sie wieder nach Hause kann.

Während meines Aufenthalts in der Notaufnahme konnte ich von 21 Uhr bis 6 Uhr morgens verfolgen, was sich dort in einer Nacht von Sonntag auf Montag abspielt. Die Menschen, die dort arbeiten, sind meine neuen Superhelden. Ich vermute, wir müssen aber dauerhaft etwas ändern, damit dort überhaupt noch Menschen arbeiten möchten. Es kann nicht sein, dass die Notaufnahme die Abladestelle für alle Probleme einer Stadt ist, insbesondere für die freiwillig gewählte Nutzung von Drogen und andere Folgen aus idiotischen vermeidbaren “Freizeitaktivitäten”.

Heute Mittag erschien dieser FAZ Artikel (vermutlich Paywall) in meinem Reader: „Der schiebt gerade miese Paranoia“. Passt leider perfekt zu meinen Eindrücken aus der Nacht in der Notaufnahme.

Falls jemand einen Intensivkurs in „Wie bewahre ich Ruhe in schwierigen Umständen“ sucht, sollte bei einer Notaufnahme in der Nähe nachfragen, ob diese dort so etwas anbieten, eventuell als Praktikum. Das ist vermutlich mit das Beste, was man im Alltag machen kann: mehrere kranke Patienten (Menschen !) gleichzeitig mit unterschiedlichen Problemen, Lärm, Geschrei, jede Menge zum Teil existenzieller Probleme, Maschinen, die dauernd lautstark piepen und Vollalarm melden.

Ich sage für den Moment nur: DANKE!