#1 – Ein positives Zukunftsbild | Wir brauchen optimistische Zukunftserwartungen. Etwas, das ein Gegenentwurf zu Ohnmacht und Komplexität ist. Etwas, das Vertrauen und Stabilität gibt. […]

#2 – Plan und Perspektive | Und dann: ein Plan und eine Perspektive. Wenn uns klar ist, wohin wir wollen und wie ein zukünftiges Deutschland aussehen soll, ist auch klar, was zu tun ist. […]

Man mag unterschiedlicher Meinung zu den Maßnahmen sein. Das ändert jedoch nichts am Wunsch eines positives Bildes und eines Weges, der konsequent gegangen wird.

Draußen nur Kännchen

Das positive Zukunftsbild und den zugehörigen Plan, wie dieses zu erreichen ist, sind wichtige Aspekte.

Bei einigen der ausführlich und gut beschriebenen Rahmenbedingungen sowie bei der Frage, wie ein Zukunftsbild aussehen soll, käme ich zu anderen Analysen und Schwerpunktsetzungen als Vanessa Giese. Ihre Zusammenstellung finde ich dennoch konsistent und nachvollziehbar.

Es fehlt aber die Betrachtung (und Antworten) auf zwei wesentliche Fragestellungen:

  • Wie wird mein Leben mit dem vorgeschlagenen Zukunftsbild besser?
  • Wird es meinen Kindern und weiteren Nachfahren besser als mir gehen?

Aktuell liefern auf diese Fragen nur die Extreme irgendwie neue Antworten mit einem Veränderungsplan, auch wenn damit eher unrealistische Zielerreichungen zu erwarten:

Die Linkspartei fokussiert sich auf das Thema “Wohnen” - wir vergemeinschaften Wohnungen und damit wird Euer Leben besser, weil es bei Thema “Wohnen” besser wird. Der Ansatz hält keiner ernsthaften Prüfung stand, verfängt aber schnell.

Bei der AfD soll angeblich alles besser werden, wenn Deutschland sich nur um sich kümmert und gleichzeitig die vielen Fremden auch nicht mehr in Deutschland sind. Vereinfacht stark, nimmt die hohe Komplexität heraus und verfängt (leider) in seiner Einfachheit bei den Wählern. Kombiniert mit einem Feindbild (den Fremden) leider aktuell sehr erfolgreich.

Aus der Mode geraten ist das Thema “Umwelt” der Grünen. Die Grünen erklären, dass das Leben besser wird (und sei es nur das Überleben), wenn Natur und Umwelt vollausgesteuert „gerettet“ werden. Ein Stück des Weges wurde bereits gegangen, das wirklich Besser ist teilweise nur schwer zu erkennen, an anderer Stelle (Beispiel Energiewende) sind aus einer Umsetzung heraus bereits neue Probleme entstanden.

Die FDP versucht zu erklären, wieso mit mehr Freiheit, weniger Staat und geringere Steuern gut sind, findet aber auch keine guten Beispiele, was dies für den Einzelnen konkret besser macht bzw. es gibt auch kein Verlangen in weiten Teilen des Wahlvolks nach den genannten abstrakten Zieldimensionen. Oder die gespürte Erfolglosigkeit in den letzten Regierungsbeteiligungen führt zur Ablehnung des Angebots.

Zu guter Letzt bleibt noch die “Alles bleibt wie es ist” Erzählung. Auch zu wenig auf dem Wählermarkt, da viele auch erkennen oder spüren, dass Veränderungen notwendig sind:

Alle Parteien aus dem linken Spektrum (Linkspartei, Grüne, SPD) versuchen zu erklären, dass alles mindestens so bleibt wie es ist, evtl. auch noch mehr “verteilt” wird, weil man den “Reichen” (den Anderen) etwas mehr wegnimmt.

Konservative (CDU, CSU) haben jenseits von “früher war alles” keine Erzählung, mühen sich an Reformen ab, die aber durch Veränderungsunwillen sich selbst blockieren. Man beschwört viel Wirtschaft und Wachstum wie “früher”, die meisten der aktuellen Wähler haben aber keine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse mehr mit dem oft zitierten Wirtschaftswachstum der Nachkriegszeit.

Die Umfragen und Wahlergebnisse werden sich erst dann wieder Erträglicher und Zukunftsgerichteter, wenn die Parteien der Mitte ihre Programmatik mehr den den Fragestellungen “Macht das mein Leben besser” und “Haben meine Nachkommen eine bessere Zukunft?” ausrichten.

BTW: Die Notwendigkeit der Beantwortung vorgenannten zentralen Fragen ist mir beim Zuhören hier klargeworden:

Ich habe aus Neugier die mdmeets Podcastfolge von Mathias Döpfner mit Peter Thiel gehört. Aufgrund meiner Erfahrungen mit Döpfner bin ich ihm als Mensch und Journalist gegenüber sehr skeptisch und misstrauisch. Die Unterstützung Trumps durch Peter Thiel irritiert mich; bisher hatte ich jedoch eher keine Meinung zu Thiel. Der Inhalt des Gesprächs hat mich sehr überrascht, und es fällt mir schwer, die heftige Kritik an Thiel im Zusammenhang mit seinem Springer-Award zu verstehen.